„Ich glaube an das gesprochene Wort“

Er beobachtet sein Gegenüber genau, hört lange zu, bevor er antwortet. Uwe Wollgramm, Mitte 50, Brille, legerer Anzug, braune Lederschnürer, aufmerksame Augen, ist ein zurückhaltender Mann. Einer, der nicht durch zu viele Worte oder den lauten Auftritt auffällt. Ein Macher, der eher die Ärmel hochkrempelt anstatt darüber viele Worte zu verlieren. Der Unternehmer steht seit 18 Jahren als Geschäftsführer an der Spitze des Bielefelder Mediendienstleisters ams - Radio und MediaSolutions. Mit zum Unternehmen gehören die Bereiche Audioproduktion, Video und Event. 1990, ein Jahr vor dem Sendestart der Lokalradios in Ostwestfalen-Lippe, ging ams an den Start.

Den Lokalsendern steht das Unternehmen seitdem als Full-Service-Dienstleister zur Seite, ist unter anderem zuständig für Betriebswirtschaft und Technik: Studio-, Sende- und Übertragungstechnik, Vermarktung der Werbezeiten, Produktion von Hörfunkelementen sowie Marketing, Onlineangebote und Verwaltung. ams - Radio und MediaSolutions ist also hauptsächlich tätig in einer Branche, in der "Einsdreißig", also der Wortbeitrag im Radioprogramm von maximal 1:30 min Länge, seit langem als geeichte und alleinige Einheit gilt. Jetzt geht das Unternehmen mit rund 80 Mitarbeitern ganz neue Wege: als Vermarkter und Produzent von Podcasts. Die Podcastfabrik bietet Audioinhalte für teils breitere, teils spitze Zielgruppen von 10 Minuten bis zu einer Länge von mehr als einer Stunde.

Ein Interview mit Uwe Wollgramm über diesen großen Schritt.

Arbeit im Team: Uwe Wollgramm in einer Redaktionssitzung der Podcastfabrik.

Herr Wollgramm, die meisten Ihrer Podcaster in der Podcastfabrik sind Journalisten. Welches sind Ihre eigenen journalistischen Wurzeln?

Ich bin mit 16 angefangen, als Freier Mitarbeiter für eine Lokalzeitung zu arbeiten und bin gelernter Tageszeitungsredakteur. Seit 2000 bin ich mittlerweile Geschäftsführer von ams - Radio und MediaSolutions. Die Produktion der Podcasts überlasse ich unseren Experten hierfür, die mit viel Herzblut und Expertise an die Sache herangehen.

Der Inhalt von Podcasts ist fast immer Gespräch. Sie sagen über sich selbst, Sie glauben "an das gesprochene Wort" - wieso?

(schmunzelt) Es wäre doch schlimm, wenn sich die Menschen nichts mehr zu sagen hätten. Es ist ja so: Eine Kommunikation über Twitter, Facebook oder Instagram kann das persönliche Gespräch zwischen Menschen nicht ersetzen. Sich direkt gegenüber zu sein, in die Augen zu schauen, die Körpersprache des anderen während einer Diskussion zu erleben, ist von hohem Wert für die Ergebnisse von Gesprächen. Jemandem aufmerksam zuzuhören, auch in einer Audioaufnahme den Tonfall seiner Stimme zu verfolgen, bildet gegenüber abgehetzten, abgehackten, sprachlich verstümmelten Textnachrichten in Social Media einen deutlichen Mehrwert. Sprechen ist unabdingbar für zwischenmenschliche Beziehungen. Und ich glaube fest daran, dass es das auch bleiben wird.

"Information und Unterhaltung mit Tiefgang".

Was wünscht sich der Hörer von morgen?

Die Medienlandschaft ist agil, ständig in Bewegung. Das heißt, auch die Umstände der Mediennutzung ändern sich immer wieder und passen sich neuen technischen Möglichkeiten und einer sich verändernden Gesellschaft an. Für mich bleibt aber eines unverrückbar: Und ich bin davon überzeugt, dass Information und Unterhaltung mit Tiefgang erfolgreich sind. Wir erleben es alle jeden Tag um uns herum: Die Medienwelt wird immer bunter und schriller. Mediennutzer brauchen Orientierung, auch Verbindlichkeit. Die kann ihnen das gesprochene Wort geben.

Podcasts waren ja 2005, 2006 schon einmal schwer angesagt, sind danach wieder ziemlich in der Versenkung verschwunden. Seit gut einem bis zwei Jahren erleben wir eine erneute und viel stärkere Renaissance des Podcasts als damals. Sie sind gefragt wie noch nie, jeder Fünfte hört regelmäßig Podcast. Welche Zukunft geben Sie diesem Format?

Eine sehr positive! Wir erleben gerade einen Umbruch im Umgang mit Medien. Nach dem was sich abzeichnet, wird die Nutzung von Audios durch Sprachassistenten und Smartspeaker in den kommenden Jahren steigen und steigen. Deshalb sehe ich für Podcasts eine sehr gute langfristige Perspektive.

Wann hören Sie selbst Podcasts?

Dadurch, dass wir Lokalradios betreuen, die teils weit mehr als 100 km auseinanderliegen, und durch weitere Dienstreisen häufig ins Ruhrgebiet bin ich sehr viel im Auto unterwegs. Diese Zeit nutze ich auch, um Podcast zu hören. Und ganz klassisch: In meiner Freizeit natürlich bei meinem liebsten Hobby seit 40 Jahren, dem Laufen.

"Radiomoderatoren können im Podcast in ihrer Personality gestärkt, die Wortinhalte vertieft werden."

Nie ohne Podcast: Uwe Wollgramm beim Lauftraining.

Immer mehr Unternehmen entdecken die Möglichkeiten des Podcasts für sich. In Marketingkreisen heißt es oft "Content is king" - wie stehen Sie dazu?

Das ist absolut richtig. Die Verpackung mag noch so hübsch sein und verlockend aussehen - wenn der Inhalt nicht gut ist, lässt sich das Produkt kein zweites Mal verkaufen. Sie gewinnen vielleicht einen Kunden - binden und halten werden Sie ihn aber nicht können.

Die technischen Möglichkeiten - allein durch das Smartphone in der Hosentasche - eröffnen heute jedem, auch jedem Laien, die Möglichkeit mit seinen Inhalten, seinem Medienformat in die Öffentlichkeit zu gehen. Und natürlich kann über die Aufnahmefunktion des Smartphones oder günstige digitale Aufnahmegeräte theoretisch auch jeder Laie einen Podcast an den Start bringen. Für wie wichtig erachten Sie eine gute Machart eines Podcast?

Oh, das ist ganz einfach! Es ist wie in allen Bereichen des Lebens und der Wirtschaft: Professionalität und Qualität setzen sich durch. Der Podcast ergänzt ja das auditive Angebot, das sonst vor allem Radiosender abdeckten.

Was bedeutet das Erstarken des Podcasts für die Radiosender?

Im Radio denken wir oft seit vielen Jahren in den berühmten "Einsdreißig". Das gilt für das sogenannte Formatradio, in dem die Musik die Hauptrolle spielt, aber auch in anderen Programmen sind die Wortanteile oft nicht deutlich länger. Für Radiosender ist der Podcast eine Ergänzung des Programms durch Formate, die - im Gegensatz zum sonstigen Einsatz im Radio - sehr lang sein dürfen. Einen Kannibalisierungeffekt sehe ich nicht, weil Podcasts überwiegend abends gehört werden. Am Abend ist die Radionutzung ohnehin schwach. Radiomoderatoren können ihre Personality durch Podcasts stärken. Und die Wortinhalte des Radioprogramms können durch Podcasts vertieft werden. Das stärkt und intensiviert die Hörerbindung zusätzlich.

Ein Beispiel für eine Ergänzung des Radioprogramms ist der Podcast "Hundetalk" von Radio Lippe-Moderator Tim Schmutzler.

Erinnern Sie Formate mit gesprochenem Wort außer Radio, die Sie selbst in den vergangenen Jahrzehnten gern gehört haben?

(lacht) Ja, aber natürlich! Hörspiele wie Benjamin Blümchen oder Bibi und Tina, die ich früher in den achtziger, neunziger Jahren mit meinen Töchtern gehört habe und die ich jetzt mit meinem Enkelkind wieder hören kann. Das genieße ich sehr!

Vielen Dank für das Interview!

Das Angebot der Podcastfabrik reicht von Themen wie Sport und Fitness über Hunde und Reise bis hin Kochen und Märchen.